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Flut 2002 Bericht
Am 13.August 2002 überraschte uns die Flut in der Grimmaer Innenstadt. Wir hatten keinerlei Vorwarnungen erhalten.
Erst als uns eine Mitarbeiterin morgens gegen 5.00 Uhr aus Podelwitz anrief: "Herr Wolf, ich kann nicht zur Arbeit kommen; wir sind hier vom Hochwasser eingeschlossen!", wurden wir hellhörig. Ich fuhr sofort, um nach dem Rechten zu sehen. Da war der Marktplatz gerade bis zum Eingang in die Lange Straße überflutet. Wir füllten in Ammelshain schnell ein paar Sandsäcke und verriegelten damit die Eingangstüren mit Brettern und diesen Säcken (8.00 Uhr). Unsere Tochter Karin (18) ließen wir als "Wasserposten" in der Filiale zurück, damit sie noch ein paar Schrankfächer ausräumen sollte, um den Schaden zu begrenzen.
Dann mussten wir die Autos schnellstens aus der Stadt fahren. Am Leipziger Platz, dem fast einzigen zu dieser Uhrzeit noch möglichen Weg aus der City, fuhren wir mit den Rädern schon halbhoch durchs Wasser.
Kaum zu Hause angekommen, rief Karin an: "Ich bin geflüchtet; das Wasser kommt so schnell; ich habe panische Angst!"
"Wie kannst du deinen Posten verlassen! Das hat ein Nachspiel!" war unsere Reaktion. Mit einer anderen Mitarbeiterin kehrte ich zurück nach Grimma, um zu retten was noch zu retten war. Wir kamen nicht mehr in die Stadt.
Am Schwanenteich "schwamm" ein Taxi in den Fluten, als wäre es ein Pappkarton. Überall sah man nur noch reißende Wassermassen. Innerhalb kürzester Zeit war die ganze Innenstadt vollgelaufen. Stündlich stieg der Pegel bis zu 50cm an. In unserer Filiale reichte das Wasser 1,90m hoch; fast bis zur Decke.
Man hörte nur noch Sirenen, Hubschrauber, Rettungsfahrzeuge... Was in den nächsten Stunden geschah, kann man im Einzelnen kaum noch wider geben.
Die Bilder sind ja um die Welt gegangen.
Eben zu dieser Zeit liefen bei uns die Abschlussarbeiten zur Eröffnung unserer neuen Filiale. Ein halbes Jahr lang hatten wir diese Eröffnung vorbereitet. Eine Caféteria mit bäckertypischem Imbiss am OBI-Markt an der A14. Wir hatten aus fast allen Gewerken die Handwerker vor Ort. Die Eröffnung sollte am 15.August stattfinden.
Die Nerven lagen fast blank.
Die Eröffnung ist im großen Wasser sprichwörtlich fast untergegangen.
Aber die Kosten laufen ja weiter! Was bleibt uns übrig- wir müssen Umsätze erzielen, um wieder aufzubauen, die Arbeitsplätze zu erhalten, die Existenz zu sichern...
Der erste Anblick, nachdem das Wasser die Stadt wieder verlassen hatte, war grauenvoll. Schwemmgut, eingefallene Häuser,
zerstörte Straßen, alles von einer dicken Schlammschicht überdeckt, verzweifelte
Menschen ; die Wände von einer schlierigen Masse überzogen... Den Geruch werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Durch viele Straßen war kein Durchkommen möglich. Das Wasser hatte ganze Häuserreihen mit sich genommen, die Straßen bis zu 2,5m ausgespült...
Überall waren die Menschen schon mit dem Aufräumen beschäftigt. Bis in die zweite Etage türmte sich auf den Straßen das, was man aus den Häusern entsorgen musste. Es war ja fast nichts mehr brauchbar. Mir kamen die Tränen; ich war erschüttert; ich fuhr wie in Trance zu unserem Geschäft.
In der ersten Stunde wusste ich gar nicht, wo ich beginnen sollte.
Die Ladeneinrichtung war umgekippt, alles lag verschlammt durcheinander.
Immer wieder kamen Menschen und fragten, ob sie helfen könnten. Oft Leute, die man nie vorher gesehen hatte. Es gab aber auch solche, die in Stöckelschuhen, mit weißen Hosen durch den Schlamm balancierten und mit Fotoapparat bewaffnet der Situation das Sensationelle abjagen wollten. Es war schon eine ganz eigenartige Atmosphäre.
Jeden Tag kamen neue Schäden hinzu. Dinge, von denen wir erst dachten, sie noch retten zu können, fielen am nächsten Tag auseinander.
Zum Schluss haben wir fast alles herausgerissen, Wände abgetragen den Fußboden ausgeschachtet. Nun muss erst mal
alles austrocknen.
Wir machen uns derweil Gedanken, wie wir den Wiederaufbau finanzieren wollen.
Mit der unbürokratischen Bearbeitung stimmt das ja nun doch nicht so ganz. Einen großen Ordner hat die Bürokratie schon gefüllt und noch lange nicht alle Anträge sind ausgefüllt.
An dieser Stelle möchte ich mich auch bei allen, die uns in verschiedenster Weise unterstützt haben, ganz herzlich bedanken.
Unserem Bürgermeister, Herrn Berger haben wir eine ganze Menge zu verdanken. Ohne seine souveräne Vorgehensweise, seinen Überblick, den er auch in dieser außerordentlichen Situation nicht verlor, wäre bestimmt manches noch viel schlimmer ausgegangen.
Aber auch die vielen und sehr tatkräftigen Helfer, die Spender, Menschen, die uns Hilfe zur Selbsthilfe gaben und auch die, die uns Mut gemacht haben; bei denen man einfach einmal reden konnte, haben dazu beigetragen, dass wir den Mut nicht verloren, dass wir wieder aufbauen und uns nicht unterkriegen lassen.
- Dank Euch allen ! -
Bei meiner Tochter habe ich mich entschuldigt. Es hat kein Nachspiel gegeben. Sie und ihr Freund Volker, dem wir auf diesem Wege unseren besonderen Dank aussprechen möchten, waren die ersten bei den Aufräumarbeiten; und sie haben uns in diesen sehr schweren Tagen und Wochen ganz toll zur Seite gestanden.
Manuela Wolf
(Flutbilder: Siehe Galerie)
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